Im Frühjahr des denkwürdigen Jahres 2004 saß
der zuständige Sachbearbeiter für die "Anträge zur
finanziellen Unterstützung der Buchstaben S-W" im Wohnungsamt
Hamburg wie immer in seiner Schreibstube und wartete auf Kundschaft. Hereingetorkelt
kam ein Typ, vermeintlich sympathisch, mit dem gewissen Blick für
das nicht Unmögliche. Es stellte sich heraus, dass dieser in den
Ruin getriebene Bauunternehmer im tiefbohrenden Grunde seines Herzens
ein Rocker war. Ein Rocker wie eben jener Sachbearbeiter, dem seine langen,
dunklen Haare ständig in den Becher mit kaltem Kaffee fielen.
Schnell war man sich darüber einig, dass es irgendwas Besseres geben
musste, als den ganzen Tag auf einem rollenden Stuhl herumzurutschen und
sich nach Strich und Faden verarschen zu lassen; der Mann vom Amt spielte
Gitarre, hörte gerne Punk und AC/DC, und der ehemals zig Millionen
Euro umsetzende Unternehmer trommelte gern zu harten Rock-Riffs. Und so
nahm dann dieser sehr selten breite Amtmann den Telefonhörer in die
Hand, ließ einige Kontakte spielen und besorgte dem trotzigen Trommler
einen Hiwi-Job in einer Süßwarenfabrik, Zuckersäcke schleppen.
Der pure Zufall wollte es sodann, dass der gestriegelte Vorarbeiter dieser
Fabrik unter dem edelfeinen Zwirn sein wahres "Alter Ego" verbarg:
flammende Seele für HARD'N'HEAVY - ein Mann fürs Langholz, der
sich nach Feierabend Ofenrohr-große Ohrringe wieder reinhängt
und sich ebenfalls ein abwechslungsreicheres Leben vorzustellen vermag,
als tagein, tagaus von "Nine to Five" die Stechuhr zu quittieren.
Einige Tage später stürzte zudem ein total aufgelöster,
anscheinend stark depressiver Kerl ins Amt und bat den netten Mann von
Amts wegen um Hilfe. Nach einer guten, kalten Tasse Was-auch-Immer erzählte
dieser Bube vom Stamme der langhaarigen Eidgenossen, der in seinem früheren
Leben einige Tonträger mit den Metallern von HARDWARE veröffentlichte,
seine Geschichte, und für den amtsmüden Mähnen-Mann stand
fest: Das muss er sein, der wilde Noten speiende Vokalist, den ich brauche,
um hier rauszukommen. Besagter Krakeler brachte nebenbei noch seinen Psychotherapeuten
mit ins Spiel, der Anfang der 90er in den USA mit der Band NITRO eine
halbe Million Einheiten verkaufte und wie verhext den 6-saitigen Rockschlitten
reitet - hart, rasant und heftig, aber dennoch mit gaaaanz viel Gefühl!
Von jetzt an gab es nur noch eins: das GET-TOGETHER dieser augenscheinlich
so unterschiedlichen Typen, die allerdings etwas Wesentliches und Entscheidendes
gemeinsam haben: die Liebe zu schnörkellosem ROCK`N`ROLL!!!
Und so zogen die fünf (vor-)lauten Burschen los, um ihren neuen "gruppalen
Infekt" ausgiebig zu feiern - im sündigen Vergnügungsviertel
der hanseatischen Metropole.
Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt:
Als uniformierte Sicherheitskräfte einige Tage später die Tür einer billigen Kiez-Absteige eintraten, bot sich ihnen ein
Bild des Grauens und der Verwüstung; Unsere fünf Musterknaben - derweil gnadenlos ausgepowert und abgezockt - lagen im kollektiven
Delirium mit unzähligen verruchten Damen des horizontalen Gewerbes. Einziger Kommentar eines australischen Rucksack-Touristen, der
zufällig Augenzeuge dieses Vorfalls wurde: " My gosh, these guys must be real SLUTFREAX!" Er hatte verdammt Recht.