Die Ironie wird aus historischen Gründen dem Bereichder Rhetorik zugeordnet und gilt hier vornehmlich als Stilmittel, um in
öffentlichen Auseinandersetzungen den gegnerischen Standpunkt bloßzustellen, anzugreifen oder lächerlich zu machen.
Die Frühgeschichte der Begriffe eiron und eironeia sowie deren etymologische Ableitung ist unklar und unbestimmt.
Es wird vermutet, dass es sich beim eiron um ein derbes Schimpfwort handelt, das die Person des Ironikers mit "Lügnern, Rabulisten,
Rechtsverdrehern, durchtriebenen, abgefeimten glatten Gesellen" in Verbindung bringt.
Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. beschäftigen sich Philosophen, Rhetoriker und Sprachforscher mit dem Phänomen der Ironie. Der
römische Rhetor Quintilian behandelt im achten und neunten Buch seiner "Institutio oratoria" die Ironie als Spezialfall einer Form,
die als Tropus und als Gedankenfigur vorkommen kann.
Für ihn gehört Ironie zur Allegorie, die man am Ton, an der Person oder am Wesen der Sache erkennt.
Cicero führte den Begriff der Ironie als dissimulatio in die lateinische Sprache ein, der vor allem als terminus technicus der
Rhetorik diente.
Dissimulatio heißt soviel wie "Verstellung" oder "unkenntlich machen".
Diese Zuordnungen der Ironie weisen ein wichtiges Merkmal auf: Beide besagen, dass die Intention des Sprechers von dem verschieden ist,
was er wirklich sagt, und dass der Hörer das Gegenteil von dem versteht, was ausgesprochen wird.
Die Ironie wird demzufolge als eine Art transparente Verstellung beschrieben, die durch Gesten, Mimik, Kontext, Intonation etc. demaskiert wird.
In den Lehrbüchern der Rhetorik findet sich auch die Bestimmung der Ironie als spöttische Redeweise, bei der das Gegenteil des
Gemeinten ausgedrückt wird.
Diese Gegenteils-Definition behauptet sich in der Tropen- und Figurenlehre von der Antike bis zur Gegenwart.
Cicero erweitert die Gegenteils-Definition und unterscheidet sie von dem Typ Ironie, bei dem nicht das genaue Gegenteil vom Gemeinten
gesagt wird, sondern lediglich etwas anderes.